Factory for
a (fem.)
century


01. Juli

15. September 2026
+
Ausstellung TRANSIT

Spinnerei
Leipzig

»we do art but don’t know
what we still bring out of the earth«




Um produktiv arbeiten zu können, haben sich mit dem Zentrum für optimistische Bergbauforschung e.V. zehn Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen zusammengeschlossen. Basierend auf einem Kunstprojekt entstand im Jahr 2019 eine nachhaltige Struktur mit einem gemeinnützigen Verein und eigenen Räumen in Leipzig-Lindenau. Seither wirken die miteinander eng verwobenen Bereiche aus Kunst und Kulturförderung und Bildung zusammen.

Als Aktive des Zentrums für optimistische Bergbauforschung e.V. (zfob) gehen wir mit offenen Augen durch die Stadt, ihre Umgebung und ihre Geschichte. Unsere bisherigen Projekte zu Industriearbeit, Tagebau und Fotografie sollen das neue Alte freilegen, und darüber festgelegte Sichtweisen sprengen. Seit mehreren Jahren führen wir mit Studierenden (u.a. HGB Leipzig, HS Merseburg, HTWK Leipzig, Bauhaus-Universität Weimar, FH Campus Wien) urbane Interventionen und künstlerische Workshops in Leipzig durch – deren Inhalt immer auch eine Bewusstseinswerdung über individuelle und strukturelle Problemlagen in den Krisen der Gegenwart ist. Ziel ist es, für Leipzig und seine Bewohnerinnen einen Blick auf (Arbeits- und Tagebau-)Geschichte offenzulegen, mit dem sie sich selbst zum Objekt der Betrachtung machen: Was lerne ich aus den Biografien der Menschen für meine eigene Biografie und was erkenne ich, wenn ich auf eine vorschnelle Deutung verzichte?
Im Zentrum für optimistische Bergbauforschung e.V. sind vor allem bildende Künstlerinnen aktiv, die unterstützt von Wissenschaftlerinnen, Kuratorinnen und Autorinnen, das Anliegen einer Herstellung von Sichtachsen zwischen ihnen, den Arbeitenden und einer Geschichte/Zukunft verfolgen. Seit dem Beginn setzen wir u.a. künstlerische Formate zu weiblicher Tagebauarbeit um, entwickeln und fördern Veranstaltungsreihen, implementieren Residenzprojekte für ukrainische und belarussische Künstlerinnen. Im Jahr 2023 konnte wir mittels eines Symposiums zu »Kunst und weiblicher Arbeit« eine aktuelle Kunstperspektive auf weibliche (Industrie-)Arbeit thematisieren. Unser Symposium im Juni 2023 war Teil eines künstlerischen Arbeitsprojektes und untersuchte die häufig eindimensionale Abbildung der arbeitenden Frau und Praktiken der Sichtbarmachung. Die Erfahrungen von Künstlerinnen und Arbeiterinnen in der DDR und der Transformationszeit der 1990er Jahre bildet seither einen zentralen Arbeitsschwerpunkt. Unsere künstlerische Arbeit wurde bisher u.a. durch die Stiftung Kunstfonds, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das Kulturamt der Stadt Leipzig oder den Fonds Soziokultur unterstützt.
Für uns ist Bildung und Vermittlung ein Lösungsansatz, der neue Aufgaben stellt. In unseren Seminaren, Workshops, Exkursionen und Konferenzbeiträgen schaffen wir eine Umgebung, die Dialoge ermöglicht und entwickeln moderne Lerninhalte, die auf eine Kooperation mit der Erfahrungswelt der Teilhabenden zielt. Unsere Dozentinnen sind erfahrene und qualifizierte Lehrende aus den Bereichen der Bildenden Kunst, Kulturwissenschaften, Theaterwissenschaften oder Soziologie.

In enger Abstimmung mit Partnerinnen wie u.a. der HGB Leipzig, der Hochschule Merseburg, dem Bergbaumuseum Bochum oder dem Dokumentationszentrum Mitteldeutschland (DokMit) haben wir seit unserer Vereinsgründung unterschiedlichste Seminarkonzepte und Bildungsbausteinen entwickelt und umgesetzt. Regelmäßig begleiten und konzipieren wir Seminare und Exkursionen zu Themen wie weibliche Industrie- und Tagebauarbeit, Transformationserfahrungen und Kultur der Landschaften oder Arbeitsfotografie.

Unsere Seminare und Workshops unterliegen einem Qualitätsmanagement und einer regelmäßigen systemischen Überprüfung.
VERANSTALTUNGEN) (AUSWAHL) 2023-2025 03./04.06.2023 Symposium «Kunst und weibliche Arbeit» Mit Dr. Agneta Jilek, Lisa Neinaß, Dr. Annegret Schüle, Julia Blume, Stefanie Regina Dietzel, Ute Richter, Christin Müller, Rita Große u.v.a. 07.06.2024 Kulturlabor Bitterfeld «Zerfräste Landschaften» Mit Alison Shea, Daniela Döring, Ramona Schacht, Monica Miertsch 15.07.2024 Kulturlabor Leipzig «Kunst als Transformationserfahrung» Mit Frauke Rohenkohl, Ramona Schacht 13.09.2024 Ausstellungseröffnung Betriebsfotografie Rita Große (archiv massiv/ Spinnerei Leipzig) 24.10.2024 Workshop mit Ines Schaber, Giulia Cramm, Ramona Schacht 25.10.2024 Workshop mit Christiane Eisler und Dr. Jeannette Stoschek 29.11.2024 Vortrag Leibniz-Forschungsnetzwerk (Bergbaumuseum Bochum) 16.04.2025 Gespräch «Textilarbeit, Design und Weiblichkeit» Mit Prof. Bettina Göttke-Krogmann, Johanna Rogalla, Ramona Schacht 23.04.2025 Dok-Filme «Wittstock_Vier: Die Dokumentarfilme von Volker Koepp» Im LURU-KINO der Spinnerei 24.04.2025 Gespräch «Aus den BUNA-Werken in die 1990er Jahre: Drei Arbeitsansätze im Dialog» Mit Prof. Tina Bara, Jan Wenzel, Christiane Eisler 10.05.2025 Workshop «Industrielles Weben» Gemeinsam mit dem Atelier Savvy (Halle)
Unser interdisziplinärer und künstlerischer Arbeitsansatz soll zu jedem Zeitpunkt seine Notwendigkeit begründen können. Bereits mit dem Vereinsnamen Zentrum für optimistische Bergbauforschung erfolgt ein Hinweis auf strukturierte Unstimmigkeiten im bisherigen Umgang mit dem Thema - und soll so auch Ausblick auf unsere Arbeit geben, die mehr als eine Neuauflage begrenzter historischer, künstlerischer oder sozialwissenschaftlicher Arrangements sein kann.

Kontakt

Zentrum für optimistische
Bergbauforschung e.V.
Demmeringstr. 32
04177 Leipzig
info (at) zfob.de

Soziale Medien

Instagram: @zfob.de

Website

Gestaltung: Laura Hähnel
Development: Emil Kowalczyk
Drawing and logo by © Claire Maroufin – All rights reserved

Unsere Bildungs-, Kunst- und Forschungsarbeiten benötigt nicht nur einen Gegenstand sondern auch finanzielle Unterstützung. Wir sind ein anerkannter gemeinnütziger Verein und können Spendenquittungen ausstellen.

Spendenkonto:
IBAN: DE64 8306 5408 0004 1715 43
BIC: GENODEF1SLR
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Impressum

All rights reserved, 2026

Factory for a (fem.) century
01.07. – 15.09.2026

Mit dem Jahr 1990 sind für viele Menschen starke Emotionen und Erlebnisse verbunden. Tausende Frauen und Männer verloren ihre Arbeit in den schließenden Industriebetrieben in Leipzig und fanden sich in den Folgejahren oft in wechselhaften Überbrückungsmaßnahmen wieder. Mit unserem Projekt »Factory for a (fem.) Century« wollen wir explizit über die Erfahrungen der entlassenen Arbeiterinnen der Textilbetriebe wie der Baumwollspinnerei oder der Wollkämmerei sprechen. Uns beschäftigen die Bewältigung ihrer Verlust- und Ausschlusserfahrungen, und wir wollen erkunden, in welcher Form diese in der Gegenwart verhandelbar sind. Im Sommer 2026 wird die ehemalige Trafo-Station (Halle 16) auf der Leipziger Baumwollspinnerei mit partizipativen Formaten gestaltet und künstlerisch bespielt. Hier wird ein Begegnungsraum entstehen, wo junge Menschen in Kontakt mit ehemaligen Arbeiterinnen und ihren Lebenswelten kommen. Unser Verständnis des heute oft unsichtbaren Erbes weiblicher Fabrikarbeit wird getragen von einer Grundhaltung voller Respekt und Anerkennung für diese Arbeitsperspektiven. Die in der Trafo-Station umgesetzten öffentlichen Erzählcafés, Workshops, Kinotage oder Podiumsdiskussionen sind partizipativ angelegt und werden ehemalige Arbeiterinnen, Studierende wie auch junge Künstlerinnen in einem gemeinsamen Arbeitsprozess begleiten. Ziel ist es, die prägende Arbeitsgeschichte in und um Leipzig in diesem Reallabor für demokratische Kunstarbeit zu bearbeiten. Das Projekt « Factory for a (fem.) Century » wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung und den Preis « The Power of the Arts Award 2024 » der Philip Morris GmbH.
Projektflyer

Ausstellung «TRANSIT»
17.07.-12.09.2026

Die in der Silvesternacht 1989/90 gegründete Leipziger Fotoagentur Transit prägte mit ihren Bildern und Reportagen die Wahrnehmung der tiefgreifenden Veränderungen der Zeit nach 1990 entscheidend mit. Mit der Ausstellung ihrer Arbeit zeigen wir einen wichtigen Teil ostdeutscher Fotogeschichte erstmals in Leipzig. Die Ausstellung ist vom 17.07. bis 12.09.2026 in der Halle 14 (Baumwollspinnerei Leipzig) zu sehen. Sie wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung und den Preis « The Power of the Arts Award 2024 » der Philip Morris GmbH.

CONNECTING THREADS. Textilproduktion und die Arbeit an ihren Bildern.
09.03.-30.04.2025

Das Verschwinden der Leipziger Textil- und Bekleidungsindustrie nach 1990 ist eine Erzählung vom Verlust der Erwerbsarbeit von Frauen. Christiane Eislers Fotografien von »LUXUS ARBEIT« aus den Jahren 1990-1992 berichten über den kurzen Moment einer Hoffnung, die kurz darauf schon wieder ungültig war. Diese Sichtbarkeit einer (meist) weiblichen Arbeits- und Lebensphase unter Transformationsbedingungen ist ein Anliegen, welches auch Ramona Schacht mit ihren Bildern »PICTURES AS A PROMISE (p.a.a.p)« teilt. Die zuletzt in Potsdam gezeigte Arbeit thematisiert die Zuweisung weiblicher Textilarbeit mittels ihrer Fotografie und eröffnet zugleich ein Sichtfenster zu Arbeitserfahrungen der Gegenwart. Diese maschinellen Erfahrungen in textiler Produktion thematisiert auch Johanna Rogalla mit ihrer Arbeit, in der aus einer der arbeitsintensivsten Industrien zarte und fragile Momente abgeleitet werden.

LUXUS ARBEIT
2025 (1990-92)

The knowledge of the hardship of the new world of work that accompanied the fall of the Berlin Wall is evident in almost all of the interviews with the women workers in the textile and clothing factories in Leipzig between 1990 and 1992. Underneath all of this, however, there is also a sense of disbelief that this could really happen, that in the dawning German society women would be threatened with unemployment and that their role would be defined completely differently. The »Treuhand« had not yet taken over every company. There was still hope that West German or US investors would take over the companies or even that the previous management would be able to continue production. We know from today's retrospective that everything turned out differently: the wool combing mill, cotton spinning mill or the clothing manufacturer vestis were closed, demolished or reused shortly afterwards.

Recognizing the right moment is elementary for (documentary) photography. Christiane Eisler wanted to photograph working women in 1990, partly because she had not previously followed the heroic narrative about work in the GDR. Eisler, who graduated from the HGB under Evelyn Richter in 1983, concentrated on divergent social groups with a focus on punks in Leipzig or girls in the Crimmitschau youth work court. She avoided the unofficially obligatory student report on good working conditions and collective owner-ship in the workers' and peasants' state of the GDR as much as possible. Her interest in female working conditions and the status of the companies was all the greater from 1990 onwards, when she no longer had to submit applications anywhere and had to follow an official narrative.

Inga F., a shift worker at the cotton mill, describes the contradictions of this new era, which feel like an outdated old era: “We used to be able to live on the money, as a woman you could get by on your own. When I got divorced, I knew that I could still make ends meet. I had the security of knowing that I would keep my job. I could stay calm despite everything and didn't have to lose it. That hadn't been the case for our mothers.” This is what the two photographers Christiane Eisler and Silke Geister and the two authors Herma Ebinger and Ulrike Klemann were confronted with. Some of them were lucky enough to be able to start again with photo assignments from the Spiegel magazine, while others found themselves in a job creation scheme (ABM) at the employment office already by 1992. In the particular image levels, it is becoming apparent – the changes in the lives of the portrayed people and companies. The workers stand thoughtfully and at the same time with energy in old production halls, checking and repairing the machines, laughing together. It is quite different to the kind of industrial photography previously seen in the GDR or FRG. What we see here are women who have no desire for the patriarchal gender relations of the West German labor market. If Christiane Eisler and her colleagues had not done the »Luxus Arbeit« project, we would not know how big this vacancy is today.

READING THE SPINNEREI. Die Arbeits- und Betriebsfotografie von Rita Große
14.09.2024-05.01.2025

Die wichtigsten Ausstellungen der Fotografenmeisterin Rita Große waren bis 1990 die Leipziger Meistermessen. Für diese Leistungsschau der DDR-Wirtschaft lieferte sie die Bilder der Arbeiter:innen aus den Betrieben und der dort hergestellten Produkte. Aus den tausenden Bildern ihrer Berufslaufbahn konnte oft nur gezeigt werden, was in das (wechselnde) Interesse der SED und der Organisator:innen der Messen passte. Die Darstellung ihrer Arbeit unterlag so einem ideologisch forcierten und meist auch männlichen Blick. Rita Große besitzt heute ein umfangreiches Archiv der Arbeit in den Betrieben und den Handelsorganisationen der DDR sowie zur Baugeschichte in Leipzig.

Dialog mit dem Material. Fotoarchive und künstlerische Souveränität (Workshop)
25.10.2024

Der Blick auf das fotografische Bildarchiv wirft immer auch die Frage nach einer Auseinandersetzung auf. Welchen Kontext, welche Gegenwart erfahren wir mit den Bildern, wo umklammert bereits das Vergessen ein Negativ und in welcher Verbindung stand es? In Anwesenheit einer Künstlerin soll das Material befragt und eingeordnet und dessen Souveränität auch vor dem Hintergrund einer Neuerkundung reaktiviert werden. Workshop mit Dr. Jeanette Stoschek (MdBK) und Christiane Eisler (Künstlerin). Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig.

Tagebau, Haftarbeit und Bernsteinförderung in Bitterfeld (Workshops und Faltbroschüre)
2024

Aus den Baumstämmen des Mitteldeutschen Waldes tropfte einst das Harz und wurde zu Bernstein. Als Jahrtausende später die Sowjetunion kaum noch Bernstein an die DDR lieferte, schaltete der VEB Ostseeschmuck Zeitungsanzeigen, mit dem Ziel privates Bernsteinsammelgut anzukaufen. Überraschenderweise kamen die meisten Einsendungen aus Bitterfeld und bald stellte sich heraus, dass dort ein ungeahnt großes Bernsteinvorkommen unter den Braunkohleschichten existierte. Die Bitterfelder Bernsteingewinnung aus der Kohlegrube Goitzsche wurde allerdings für die Aufrechterhaltung der Ostseeillusion nicht öffentlich thematisiert.

Unsere Arbeit zur Tagebaugeschichte im mitteldeutschen Revier ist seit Jahren getragen von dem Anliegen, mit spannenden Perspektiven neue Zielgruppen anzusprechen, die gern jünger und weiblicher sein sollen. Ebenso verdient die Tagebau- und Industriegeschichte Bitterfelds unserer Meinung nach deutlich mehr Aufmerksamkeit in der Region.

Für unser künstlerisches Forschungsprojekt zur Bernsteinförderung in Bitterfeld haben die Kunstwissenschaftlerin und Künstlerin Alison Shea und der Autor und Wissenschaftler Luca Bublik sechs Monate in Archiven recherchiert, mit vielen ehemaligen Aktiven gesprochen und Textmontagen mit unseren Zielgruppen diskutiert. Entstanden ist daraus eine Faltbroschüre mit dem Fokus auf die Arbeits- und Haftbedingungen der Tagebau- und Bernsteinförderung. Die Verbindung der beiden Themen Bernsteinförderung und des Haftarbeitslagers in Bitterfeld folgen unserem Interesse, bisher eher selten beachtete Aspekte der Tagebaugeschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Das entstandene Faltposter würdigt mit der erzählten Lebens- und Arbeitsgeschichte auch die Lebensleistung vieler Beschäftigter der Bitterfelder Tagebaue. Wir freuen uns, dass mit unserem Projekt eine neue Auseinandersetzung mit Bitterfelder Geschichte entstanden ist, die insbesondere bisherige Veröffentlichungen zur Gesteins- und Technikgeschichte ergänzt. Das Projekt wurde gefördert durch den Revierpionier-Preis 2023/24.

Industriearbeit sichtbar machen. Symposium zu Kunst und weiblicher Arbeit.
03./04.06.2023

Um es gleich zu sagen: Wir wollen eine aktuelle Kunstperspektive auf weibliche (Industrie-)Arbeit thematisieren und keineswegs eine jahrzehntealte sentimentale Distanz erneuern. Derzeitige Ausstellungen zu Evelyn Richter in Düsseldorf und Leipzig oder zur Industriefotografie in Berlin zeigen auf: eine Auseinandersetzung mit weiblichen Perspektiven vor und hinter der Kamera findet aktuell bereits statt. Das ist eine gute Nachricht für alle, die sich schon länger an der Unsichtbarkeit arbeitender Frauen stören. Oft war es so, wenn Arbeiterinnen überhaupt abgebildet wurden, dann wurde ihnen mit Blumen oder Gesten ein Platz fest zugewiesen. Fotografinnen wie Evelyn Richter spürten diese Bedrängnis und suchten in ihrer Arbeit nach einem Resonanzraum, der einer Wirklichkeit der (weiblichen) Arbeit näher kommt. Auch heute gibt es diese arbeitenden Frauen noch, wenngleich sich vieles ausdifferenziert hat und manche Bilder und Zuschreibungen sich gewandelt haben. Unser Symposium im Juni 2023 war Teil eines künstlerischen Arbeitsprojektes und untersucht die häufig eindimensionale Abbildung der arbeitenden Frau und Praktiken der Sichtbarmachung. In Form von Workshops und Diskussionsrunden wollen wir an diesen zwei Tagen neue Austauschmöglichkeiten erproben. Das Symposium wurde gefördert durch die Stiftung Kunstfonds.

Was macht eine Künstlerin auf der Flucht? (Vortrag)
28.09.2022

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, mit Krieg und Flucht umzugehen. Kunst ist sicher eine davon. Aber gibt es in einer Fluchtsituation überhaupt Raum für eine Kunstproduktion und welchen Einfluss haben diese Erfahrungen auf die Kunst und dessen Bearbeitung? Eine Vortrag und Diskussion mit Beteiligung von Lada Nakonechna (Kyiv/Leipzig), Kateryna Badianova (Kyiv) und Anne König (Leipzig, spector books). Die Veranstaltung war Teil unseres Residenzprogrammes 2022 für ukrainische Künstlerinnen und würde gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und das Kulturamt der Stadt Leipzig.

ERSTE BEGEGNUNGEN. Tagebaupositionen neu endecken.
18.-21.10.2021

In einigen Jahren werden die verbliebenen Tagebauen im Leipziger Umland schließen und zu Badeseen werden. Sie ordnen sich damit in eine Geschichte ein, die heute schon da ist. In der Kohleförderung arbeit(et)en zehntausende Menschen, zu großen Teilen waren und sind dies auch Frauen. Zugleich sind ganze Landschaften überformt und neu geschaffen worden. Dennoch; hat das Thema Tagebau(-geschichte) in unserem Alltag in 2022 überhaupt Platz? Zu was inspirieren diese neuen Landschaften? Der Impuls unserer Veranstaltungsreihe ist es, mit jungen und künstlerischen Beiträgen hier nach Räumen zu suchen. Diese Suche kann geräumig sein und ein Zuhören wie einen Austausch ermöglichen. Das Projekt umschloss eine Veranstaltungsreihe, Workshops und eine Netzwerkkonferenz und wurde durch Fonds Soziolultur gefördert.

Ich wollte was neues und hatte keine Ahnung wo die Kohle herkommt (Film)
2021

»Drei Bergfrauen der DDR des Leipziger Umlandes treten in einen Austausch mit zwei jungen Künstlerinnen. Sie sprechen über Visionen und geteilte Erfahrungen als Frau damals bis heute. Was können wir durch die Berichte aus ihrer weiblichen Perspektive auf Bergbau lernen? Wie haben sich diese Erfahrungen in ihren Charakter eingegraben? Was treibt sie an durch Fehler und Glück im Zwischenmenschlichen und einer Arbeitsweise zu allen Wetterlagen?« Der Film von Jule Würfel und Ramona Schacht war Teil des Projektes »Frauen auf der Förderbrücke« des Zentrums für optimistische Bergbauforschung e.V. und ermöglicht einen Sprechraum, in dem ein Austausch über die weiblichen Erfahrungen mit der Tagebauarbeit stattfinden kann. Die zentrale Präsentation des Filmes und daran anschließende Gespräche und Ausstellungen erfolgten im Zeitraum März bis August 2021 in Leipzig & Großpösna.

DDR und jetzt?
21.-25.09.2020

Der grundlegende Impuls für die Reihe »ddr und jetzt?« findet sich
in den Gesprächen mit unseren Eltern und Großeltern über ihre DDR- und Post-89- Erfahrungen. Seit unserer Jugend spielen diese Erzählungen eine wiederkehrend große Rolle im Alltag. Was hat die DDR aber noch mit uns und unserem Leben im Jahr 2020 zu tun? Was bedeutet Geschichte und Geschichtserzählung für unser Leben und die beginnende politisch-künstlerische Arbeit und welche Rolle spielt sie dabei eine eigene Sprache zu finden? Mit dem Projekt »ddr und jetzt?« wollen wir Antworten ausprobieren und an verschiedenen Terminen Workshops und Austauschrunden durchführen, die diese künstlerischen und politischen Vermittlungsformen in den Mittelpunkt stellen. Gefördert durch den Fonds Soziokultur.