»we do art but don’t know
what we still bring out of the earth«
Um produktiv arbeiten zu können, haben sich mit dem Zentrum für optimistische Bergbauforschung e.V. zehn Künstler:innen und Wissenschaftler:innen zusammengeschlossen. Basierend auf einem Kunstprojekt entstand im Jahr 2019 eine nachhaltige Struktur mit einem gemeinnützigen Verein und eigenen Räumen in Leipzig-Lindenau. Seither wirken die miteinander eng verwobenen Bereiche aus Kunst und Kulturförderung und Bildung zusammen.
Als Aktive des Zentrums für optimistische Bergbauforschung e.V. (zfob) gehen wir mit offenen Augen durch die Stadt, ihre Umgebung und ihre Geschichte. Unsere bisherigen Projekte zu Industriearbeit, Tagebau und Fotografie sollen das neue Alte freilegen, und darüber festgelegte Sichtweisen sprengen. Seit mehreren Jahren führen wir mit Studierenden (u.a. HGB Leipzig, HS Merseburg, HTWK Leipzig, Bauhaus-Universität Weimar, FH Campus Wien) urbane Interventionen und künstlerische Workshops in Leipzig durch – deren Inhalt immer auch eine Bewusstseinswerdung über individuelle und strukturelle Problemlagen in den Krisen der Gegenwart ist. Ziel ist es, für Leipzig und seine Bewohner:innen einen Blick auf (Arbeits- und Tagebau-)Geschichte offenzulegen, mit dem sie sich selbst zum Objekt der Betrachtung machen: Was lerne ich aus den Biografien der Menschen für meine eigene Biografie und was erkenne ich, wenn ich auf eine vorschnelle Deutung verzichte?
In enger Abstimmung mit Partner:innen wie u.a. der HGB Leipzig, der Hochschule Merseburg, dem Bergbaumuseum Bochum oder dem Dokumentationszentrum Mitteldeutschland (DokMit) haben wir seit unserer Vereinsgründung unterschiedlichste Seminarkonzepte und Bildungsbausteinen entwickelt und umgesetzt. Regelmäßig begleiten und konzipieren wir Seminare und Exkursionen zu Themen wie weibliche Industrie- und Tagebauarbeit, Transformationserfahrungen und Kultur der Landschaften oder Arbeitsfotografie.
Unsere Seminare und Workshops unterliegen einem Qualitätsmanagement und einer regelmäßigen systemischen Überprüfung.
Kontakt
Bergbauforschung e.V.
Demmeringstr. 32
04177 Leipzig
info (at) zfob.de
Soziale Medien
Website
Development: Emil Kowalczyk
Drawing and logo by © Claire Maroufin – All rights reserved
Unsere Bildungs-, Kunst- und Forschungsarbeiten benötigt nicht nur einen Gegenstand sondern auch finanzielle Unterstützung. Wir sind ein anerkannter gemeinnütziger Verein und können Spendenquittungen ausstellen.
Spendenkonto:
IBAN: DE64 8306 5408 0004 1715 43
BIC: GENODEF1SLR
Skatbank Altenburg
Impressum
Factory for a (fem) century
01.07. – 15.09.2026
Mit dem Jahr 1990 sind für viele Menschen starke Emotionen und Erlebnisse verbunden. Tausende Frauen und Männer verloren ihre Arbeit in den schließenden Industriebetrieben in Leipzig und fanden sich in den Folgejahren oft in wechselhaften Überbrückungsmaßnahmen wieder. Mit unserem Projekt »Factory for a (fem.) Century« wollen wir explizit über die Erfahrungen der entlassenen Arbeiterinnen der Textilbetriebe wie der Baumwollspinnerei oder der Wollkämmerei sprechen. Uns beschäftigen die Bewältigung ihrer Verlust- und Ausschlusserfahrungen, und wir wollen erkunden, in welcher Form diese in der Gegenwart verhandelbar sind. Im Sommer 2026 wird die ehemalige Trafo-Station (Halle 16) auf der Leipziger Baumwollspinnerei mit partizipativen Formaten gestaltet und künstlerisch bespielt. Hier wird ein Begegnungsraum entstehen, wo junge Menschen in Kontakt mit ehemaligen Arbeiterinnen und ihren Lebenswelten kommen. Unser Verständnis des heute oft unsichtbaren Erbes weiblicher Fabrikarbeit wird getragen von einer Grundhaltung voller Respekt und Anerkennung für diese Arbeitsperspektiven. Die in der Trafo-Station umgesetzten öffentlichen Erzählcafés, Workshops, Kinotage oder Podiumsdiskussionen sind partizipativ angelegt und werden ehemalige Arbeiterinnen, Studierende wie auch junge Künstlerinnen in einem gemeinsamen Arbeitsprozess begleiten. Ziel ist es, die prägende Arbeitsgeschichte in und um Leipzig in diesem Reallabor für demokratische Kunstarbeit zu bearbeiten.
Ausstellung «TRANSIT»
17.07.-12.09.2026
Die in der Silvesternacht 1989/90 gegründete Leipziger Fotoagentur Transit prägte mit ihren Bildern und Reportagen die Wahrnehmung der tiefgreifenden Veränderungen der Zeit nach 1990 entscheidend mit. Mit der Ausstellung ihrer Arbeit zeigen wir einen wichtigen Teil ostdeutscher Fotogeschichte erstmals in Leipzig.
CONNECTING THREADS. Textilproduktion und die Arbeit an ihren Bildern.
09.03.-30.04.2025
Das Verschwinden der Leipziger Textil- und Bekleidungsindustrie nach 1990 ist eine Erzählung vom Verlust der Erwerbsarbeit von Frauen. Christiane Eislers Fotografien von »LUXUS ARBEIT« aus den Jahren 1990-1992 berichten über den kurzen Moment einer Hoffnung, die kurz darauf schon wieder ungültig war. Diese Sichtbarkeit einer (meist) weiblichen Arbeits- und Lebensphase unter Transformationsbedingungen ist ein Anliegen, welches auch Ramona Schacht mit ihren Bildern »PICTURES AS A PROMISE (p.a.a.p)« teilt. Die zuletzt in Potsdam gezeigte Arbeit thematisiert die Zuweisung weibli-cher Textilarbeit mittels ihrer Fotografie und eröffnet zugleich ein Sichtfenster zu Arbeitserfahrungen der Gegenwart. Diese maschinellen Erfahrungen in textiler Produktion thematisiert auch Johanna Rogalla mit ihrer Arbeit, in der aus einer der arbeits-intensivsten Industrien zarte und fragile Momente abgeleitet werden.
LUXUS ARBEIT
2025
READING THE SPINNEREI. Die Arbeits- und Betriebsfotografie von Rita Große
14.09.2024-05.01.2025
Die wichtigsten Ausstellungen der Fotografenmeisterin Rita Große waren bis 1990 die Leipziger Meistermessen. Für diese Leistungsschau der DDR-Wirtschaft lieferte sie die Bilder der Arbeiter:innen aus den Betrieben und der dort hergestellten Produkte. Aus den tausenden Bildern ihrer Berufslaufbahn konnte oft nur gezeigt werden, was in das (wechselnde) Interesse der SED und der Organisator:innen der Messen passte. Die Darstellung ihrer Arbeit unterlag so einem ideologisch forcierten und meist auch männlichen Blick. Rita Große besitzt heute ein umfangreiches Archiv der Arbeit in den Betrieben und den Handelsorganisationen der DDR sowie zur Baugeschichte in Leipzig.